Seminarbericht OpenCourse Design Thinking

Am 22.-24. Juni habe ich bei HPI am „Open Course“-Workshop im Design Thinking teilgenommen - hier ein kleiner Erfahrungsbericht.


Gut fand ich:

  • exzellente Location für den Workshop in Potsdam, die Räumlichkeiten und Materialausstattung, außergewöhnlich gute Seminar- und Pausenverpflegung 
  • hohe Dichte an „Team-Coaches“ ( 8 Teamcoaches bei ca. 35 Teilnehmenden)
  • es gab ausreichend viel Theorie-Input
  • sehr gute Dokumentation der WS-Ergebnisse


Nicht gut fand ich:

  • In den drei Tagen wurde an einem fiktiven Fallbeispiel der gesamte DT-Prozess durchgespielt. Thema: „Verbesserung des Wahl-Erlebnisses für junge Wähler“.
    Das Thema ist zwar relevant für die Demokratie,- eine professionelle Relevanz hatte sie für keinen einzigen der 35 Teilnehmenden.
  • Obwohl das Thema also nur veranschaulichenden Charakter haben sollte und von untergeordneter Bedeutung war, nahm es zu viel Zeit ein, die „Inhalte“ zu erarbeiten. Trotz (und wegen) der wilden Methodenjagd blieben die inhaltlichen Ergebnisse sehr dürftig.
  • Anschliessend blieb unbefriedigend wenig Zeit, den methodischen Prozess des Design Thinking in seinem Aufbau und seiner Handhabung zu reflektieren - also der eigentlich Zweck des Workshops wurde aus meiner Sicht deutlich verfehlt!
  • Beide Programm-Manager und Lead-Coaches waren deutlich unter dreissig Jahren alt, als Persönlichkeiten wirklich prima und gehören sicherlich zur Gruppe der High Potentials.
    Ihre berufliche und ihre Beratungserfahrung ist notwendigerweise gering gewesen: die Antworten auf viele Teilnehmerfragen waren zwar “theoretisch richtig“ - aber ohne ausreichend eigener Projekterfahrung. Bei einer ganzen Reihe von Antworten hörte es sich schon sehr nach „ganz dünnem Eis“ an.
  • Insgesamt waren 7 von 8 Teamcoaches sehr jung und teilweise mit der Steuerung des Prozesses sichtlich überfordert: „Time-Boxing" und „durchs-Programm-treiben“, ungezählte „warm-up“-Übungen und das Einhalten der Pausen waren die wichtigsten Steuerungsinstrumente
  • Ganz grundsätzlich war nicht zu erkennen, ob und wie die Academy den zentralen Aspekt des DT - “User Centric“ zu arbeiten - bei der  Konzeption und Durchführung des OpenCourse-Formats selbst angewendet hat!


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Fazit:

Der Hype um das Thema sowie die HPI-Academy und der extrem hohe Preis (3000.- Euro für 3 Tage) schaffen eine hohe Erwartung bei den Teilnehmenden, die aus meiner Sicht - auch wenn sich die Team-Coaches viel Mühe geben - in diesem Open Course in keiner Weise von der Academy eingelöst werden konnte.

Der Open Course ist aus meiner Sicht geeignet, um einen groben Überblick über die Methode zu bekommen und eine oberflächliche Ahnung davon, wie sich die Methode bei Anwendung im Unternehmen anfühlt.


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Nachtrag: Aufgrund unserer Beurteilung hat sich die Academy sehr prompt und auch betroffen gemeldet und uns eine kostenlose Teilnahme bei einem „Deep Dive“ angeboten.


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Thomas Huber